„Das ist die achte Agentur in drei Jahren.“ Sätze wie diesen hören wir oft (aus unseren Gesprächen mit Shop-Betreibern, anonymisiert). Wenn du gerade an dem Punkt bist, an dem du nicht mehr jeden Monat für Reports zahlen willst, die gut aussehen und nichts bringen, ist dieser Leitfaden für dich.
Kurz vorweg: Nicht jede Agentur ist schlecht. Wenn du eine hast, mit der du zufrieden bist, behalte sie. Dieser Text ist für alle anderen. Für die, die gerade gekündigt haben, kurz davor stehen oder noch ein paar Monate Laufzeit absitzen und sich fragen: Und dann?
Warum so viele Shops ihre Agentur kündigen
Die Geschichten, die wir hören, sind selten dramatisch. Sie sind zermürbend. Und sie folgen fast immer denselben Mustern:
- Reports statt Gewinn. Jeden Monat kommt ein PDF mit Reichweite, Klicks und einem ROAS, der gut klingt. Ob nach Werbung, Rabatten, Retouren und Agenturhonorar etwas übrig bleibt, steht nirgends.
- Wenn es nicht läuft, liegt es an dir. Am Shop, an den Produkten, am Budget. Irgendwann zweifelst du an dir selbst und fragst dich, wofür du eigentlich bezahlst.
- Wechselnde Ansprechpartner. Kaum hat jemand deine Marke verstanden, ist er weg, und du erklärst alles von vorn.
- Lange Laufzeiten. Sechs oder zwölf Monate Mindestlaufzeit, Kündigung nur schriftlich, und schon läuft der Vertrag wieder ein halbes Jahr weiter.
- Kleinigkeiten nach Stunden. Eine Textänderung, die du selbst in zwei Minuten gemacht hättest, taucht als Dreiviertelstunde auf der Rechnung auf.
- Das Wissen bleibt bei der Agentur. Was funktioniert hat, welche Zielgruppen, welche Anzeigen: Das steckt in deren Köpfen und Ordnern, nicht in deinem Unternehmen.
Das Problem ist selten die einzelne Person bei der Agentur. Es ist das Modell dahinter: Ein monatlicher Retainer bezahlt Arbeitszeit, nicht das, was bei dir hängen bleibt. Was eine Agentur insgesamt wirklich kostet, haben wir separat aufgeschlüsselt. Und warum Reports gut aussehen können, obwohl nichts übrig bleibt, erklärt der Artikel über Agentur-Reports.
Bevor du kündigst: die Checkliste
Der teuerste Fehler passiert nicht nach der Kündigung, sondern davor: Zugänge, die nur die Agentur hat. Geh diese Punkte durch, solange die Zusammenarbeit noch läuft und alle erreichbar sind.
- Wem gehört das Werbekonto? Prüfe im Meta Business Manager und in Google Ads, ob die Werbekonten in deinem eigenen Unternehmenskonto liegen oder in dem der Agentur. Liegen sie bei der Agentur, kläre schriftlich, was mit Konto, Verlauf und Daten passiert.
- Bist du selbst Admin? Nicht nur die Agentur, sondern du persönlich: im Shop, in den Werbekonten, in Google Analytics, in der Search Console, im Tag Manager und im E-Mail-Tool.
- Pixel und Tracking. Wer hat Meta-Pixel, Conversions API und Google-Tags eingerichtet, und in welchem Konto laufen sie? Notiere, was wo eingebaut ist, bevor jemand „aufräumt“.
- Zahlungsmittel. Welche Karte hängt an den Werbekonten? Läuft das Budget über die Agentur, kläre, wie die Abrechnung endet und ab wann du selbst zahlst.
- Creatives und Rohdateien. Anzeigen, Bilder, Videos, Texte und die offenen Projektdateien: Lass dir alles aushändigen, wofür du bezahlt hast.
- Nutzungsrechte. Steht im Vertrag, dass du die Creatives nach Vertragsende weiter nutzen darfst? Bei Fotos, Musik und Models besonders wichtig.
- Learnings dokumentieren. Kampagnenstruktur, Zielgruppen, Budgets, die besten und die schlechtesten Anzeigen. Bitte um eine schriftliche Übergabe und mach zusätzlich eigene Exporte und Screenshots.
- E-Mail-Tool und Kundenliste. Liegt deine Liste in deinem eigenen Konto? Exportiere Flows, Vorlagen und Segmente.
- Frist und Form der Kündigung. Wie lange ist die Frist, muss sie schriftlich oder per Einschreiben kommen? Trag dir Stichtag und Enddatum in den Kalender.
- Zugänge entziehen. Nach Vertragsende Agentur-Zugänge entfernen und alle Passwörter ändern, die geteilt wurden.
Eine einfache Faustregel dazu: Alles, was mit deinem Geld bezahlt wurde und für dein Geschäft wichtig ist, sollte in deinem eigenen Konto liegen. Wenn du bei einem Punkt unsicher bist, was der Vertrag sagt, lohnt sich eine kurze rechtliche Prüfung, bevor du kündigst. Dieser Leitfaden ersetzt keine Rechtsberatung.
Die wichtigste Frage vor jeder Kündigung ist nicht „Wer macht es jetzt?“, sondern „Was davon liegt in meinem Namen?“
Drei Wege danach
Wenn die Agentur raus ist, stehen die meisten vor denselben drei Möglichkeiten. Keine davon ist immer richtig. Die Tabelle hilft dir beim Sortieren.
| Neue Agentur | Selbst machen (Team, ChatGPT & Co.) | Eigenes KI-System | |
|---|---|---|---|
| Kosten | monatlich, oft mit Mindestlaufzeit, plus Werbebudget | Gehalt oder deine eigene Zeit, dazu Tools | Aufbau einmalig, dazu laufende Kosten für Tools und KI-Modelle |
| Wo bleibt das Wissen? | bei der Agentur, bei Kündigung weg | bei euch, aber oft in Köpfen und einzelnen Chats | dokumentiert in einem System (was dir am Ende gehört, vorher im Vertrag klären) |
| Kennt deine Marke | so gut wie der aktuelle Ansprechpartner | so gut, wie ihr sie jedes Mal neu erklärt | dauerhaft, wenn Produkte, Ton und No-Gos hinterlegt sind |
| Tempo | Briefing, Abstimmung, Warten | abends und am Wochenende | Entwürfe auf Abruf, du gibst frei |
| Kontrolle | du siehst, was im Report steht | volle Kontrolle, wenig Zeit | volle Kontrolle, wenn nichts ohne deine Freigabe live geht |
| Passt, wenn | du Strategie und Betreuung einkaufen willst | du Zeit oder eine Person mit Know-how hast | sich dieselbe Arbeit jede Woche wiederholt |
Weg 1: Die nächste Agentur
Das kann funktionieren. Es gibt gute Agenturen, und für Strategie, Markenaufbau oder einen Kanal, den du gar nicht kennst, kann sich eine lohnen. Nur solltest du diesmal andere Fragen stellen: Liegen alle Konten in meinem Namen? Wie kurz ist die Laufzeit? Berichtet ihr über meinen Deckungsbeitrag oder über Klicks? Wer ist mein fester Ansprechpartner, und was passiert, wenn er geht?
Weg 2: Selbst machen
Viele Shop-Betreiber nutzen längst ChatGPT für Texte und machen die Anzeigen nebenbei. Für einzelne Aufgaben ist das völlig in Ordnung. Schwierig wird es, wenn das ganze Marketing daran hängt: Der Chat vergisst deine Marke, er sieht deine Zahlen nicht, und die guten Anweisungen stecken im Kopf einer einzigen Person. Warum einzelne Chats im Shop-Alltag an Grenzen stoßen, liest du im Artikel Was bekomme ich eigentlich, wenn ich ein KI-System kaufe?
Weg 3: Ein eigenes System
Hier wandert die Arbeit, die sich jede Woche wiederholt, in ein System: neue Anzeigen-Varianten, Mails an Bestandskunden, Produkttexte, der Wochenüberblick über deine Zahlen. Das System arbeitet in deinem Shop und deinen Konten und legt dir Ergebnisse zur Freigabe vor. Ehrlich dazu: Ganz ohne dich geht es nicht. Im Aufbau brauchst du Zeit für Abstimmungen, Freigaben und die Einarbeitung, danach geht es vor allem ums Freigeben.
Oft ist die Antwort auch eine Mischung: Strategie mit einem erfahrenen Menschen, die Fleißarbeit im System. Wie sich die drei Wege im Detail unterscheiden, zeigt der Vergleich auf unserer Startseite.
Woran du eine seriöse Alternative erkennst
Wer gerade eine Agentur hinter sich hat, bekommt in der Regel sofort die nächsten Angebote. KI-Agenturen rufen an, Freelancer schreiben, jeder verspricht mehr als der letzte. Diese Punkte helfen dir, die Spreu vom Weizen zu trennen:
- Zeigen statt versprechen. Ein seriöser Anbieter zeigt dir an deinen eigenen Produkten, was er kann, bevor du etwas zahlst. Nicht an einem Beispiel-Shop, nicht auf einer Folie.
- Preis vorab, mit Lieferumfang. Du weißt vor dem Start, was du bekommst und was es kostet. Schriftlich.
- Keine Umsatzgarantie. Wer dir mehr Umsatz garantiert, verspricht etwas, das er nicht in der Hand hat. Das kann seriös niemand.
- Konten in deinem Namen. Du bist Admin, der Anbieter bekommt Zugriff. Nicht umgekehrt.
- Zahlen, die du selbst siehst. Nicht nur ein Report, sondern Zugang zu den Zahlen dahinter.
- Echte Menschen mit Namen. Ein fester Ansprechpartner, ein Gesicht, eine nachvollziehbare Adresse.
- Ein ehrliches Nein. Wer dir auch sagt, wenn etwas bei dir nicht passt oder du es besser selbst machst, will keinen schnellen Abschluss.
Zum Punkt Adresse in eigener Sache: Unser Firmensitz liegt in den USA. Wo wir sitzen und wie wir arbeiten, steht auf unserer Über-uns-Seite. Genau so sollte es jeder Anbieter halten: Fragen beantworten, bevor du sie stellen musst.
Du hängst noch in der Laufzeit?
Dann hast du nichts verpasst, im Gegenteil. Die Restlaufzeit ist die beste Zeit, um die Checkliste oben abzuarbeiten, solange die Agentur noch erreichbar ist und kooperiert. Und um in Ruhe herauszufinden, was du wirklich brauchst, bevor du den nächsten Vertrag unterschreibst.
Drei Fragen helfen dabei:
- Was hat die Agentur wirklich geliefert? Nicht in Klicks, sondern in Deckungsbeitrag nach Werbekosten.
- Was davon wiederholt sich jede Woche? Das ist der Teil, den ein System übernehmen kann.
- Was sollte bei Menschen bleiben? Strategie, Kundenbeziehung, Entscheidungen über deine Marke.
Genau diese drei Fragen gehen wir in der kostenlosen Engpass-Analyse mit dir durch. 30 Minuten, wir schauen auf deinen Shop und deine Kanäle und zeigen dir live an deinen Produkten, wie KI deine größten Engpässe lösen kann. Die Erkenntnisse behältst du, auch wenn du danach mit einer anderen Agentur weitermachst oder alles selbst in die Hand nimmst.